Eberhard Schneider

Wissenschaftliche Psychotherapie und kreative Reflexion


Einleitung

Urs Baumanns Artikel "Wissenschaftliche Psychotherapie auf der Basis der Wissenschaftlichen Psychologie"(Report Psychologie 21, 9/96) ist Anlaß der folgenden Anmerkungen zum Verhältnis von Wissenschaft und (psychotherapeutischer) Praxis. Die Interaktion mit einem sehr komplexen Beziehungsfeld und der kreative Umgang mit Kontextbildungen zeichnen psychotherapeutische Praxis als eigenständigen Bereich neben Wissenschaft aus. Im Entwurf einer Allgemeinen oder Wissenschaftlichen Psychotherapie werden diese Aspekte zugunsten eines Primats der akademischen Psychologie unterbewertet.

Mit einigen kleineren Änderungen veröffentlicht im Report Psychologie, 9/98, S. 720-727.

Inhalt:

Psychologen als Psychotherapeuten: Anmerkungen zum Selbstverständnis

Praxis und Wissenschaft

Was ist überhaupt wissenschaftlich?

Forschung und Praxis

Erfahrungswelten von Grundlagenforschung und psychotherapeutischer Praxis

Die akademische Psychologie als Mutter der Psychotherapie?

Antithesen zu Baumanns Formulierungen zu Wissenschaft und Praxis

Literatur

 

 


 

Wissenschaftliche Psychotherapie und kreative Reflexion

Psychologen als Psychotherapeuten: Anmerkungen zum Selbstverständnis

Während der Supertanker Pharmaindustrie unbeirrt Kurs hält, toben auf dem Schlauchboot Psychotherapie - mit Prozentbruchteilen an den gesamten Gesundheitskosten - heftige Konflikte:

- der verschiedenen Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen und andere),

- der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen,

- zwischen akademischer Wissenschaftsgläubigkeit und alltäglichem Eklektizismus

- und zwischen pragmatischer Anpassung an Machtverhältnisse und dem Aufrechterhalten eines praxisgerechten Selbstverständnisses als Psychotherapeuten.

 

Die Bestrebungen der Bundesregierung zur Reduktion der Lohnnebenkosten und die andauernde Diskussion um den ãStandort Deutschlandã, das wachsende Interesse des Ärztenachwuchses an der Nische Psychotherapie, die Diskussion um das Psychotherapeutengesetz, die Unklarheiten über den Nachweis sinnvoller Qualitätssicherung sind Stressoren, die dazu herausfordern, sich des beruflichen Selbstverständnisses als Psychologe und Psychotherapeut zu vergewissern.

Einem solchen Klärungsprozess dient der Beitrag von U. Baumann in der September-Ausgabe (1996) des Psychologie-Report.

Baumann nimmt mit seinen Thesen Stellung zu einigen wichtigen Fragen der professionellen Identität. Zur Legitimation der Überlegenheit von psychologischer Psychotherapie rekurriert er auf die Wissenschaftlichkeit der Psychotherapie, die herausragende Bedeutung der psychologischen Theoriebildung für die Inhalte von Psychotherapie und die Bedeutung der meist von Psychologen betriebenen Wirksamkeitsforschung zur Psychotherapie. Die wichtigsten Fragen:

- Wie fußt Praxis in Wissenschaft und speziell Psychotherapie in der wissenschaftlichen Psychologie?

- Was geschieht in der Psychotherapie - und was ist der Anteil der bewährten wissenschaftlichen Vorgehensweisen in der Psychotherapie?

- Was verstehen wir überhaupt unter ãWissenschaftã und ãwissenschaftlichã?

- Welchen Beitrag können die Psychotherapieschulen für die Fortentwicklung der Psychotherapie leisten?

Zu diesen Fragen und Baumanns Antworten mache ich als psychotherapeutischer Praktiker kritische Anmerkungen und formuliere am Schluß des Artikels eigene Thesen.

(Bei der Schlußkorrektur des Aufsatzes liegt mir die Januar-Ausgabe des Report Psychologie mit einigen sehr interessanten und wichtigen Beiträgen zu Baumanns Artikel vor. Eine ausführliche inhaltliche Berücksichtigung dieser Beiträge ist mir im Rahmen meines Artikels nicht möglich; ich beschränke mich daher auf Querverweise zu den genannten Artikeln, wo sich dies inhaltlich anbietet.)

Praxis und Wissenschaft

In dem Artikel Baumanns im Report Psychologie wird die Definition des Wissenschaftlichen an der empiristischen Seite der Psychologie orientiert: Sie leitet sich von der wissenschaftlichen Wirksamkeitsforschung ab (sprich den kontrollierten Vergleichsstudien), wobei nachgewiesen werden soll, "daß die Wirkung tatsächlich auf die angewandte Methode zurückzuführen ist", weiterhin von der "Kompatibilität mit wissenschaftlichen Erkenntnissen", der "Herleitung der technologischen Regeln von wissenschaftlich bewährten Gesetzen, die vielfach aus der Psychologie stammen" (Baumann 1996, S. 688) und der "ethischen Legitimation von Zielen und Methoden" (wobei schleierhaft bleibt, inwiefern diese wissenschaftlich ist).

Die Professionen als Tätigkeiten mit bestimmten sozialen Vorrechten und besonderer sozialer Relevanz - vom Schamanen bis zum Informatiker- waren seit jeher Wissenden vorbehalten - legitimiert durch einen bestimmten Werdegang, persönliche Verdienste, durch eine Tradition (Überlieferung, Weitergabe eines Amtes) und durch Zugang zum Wissen ihrer Zeit. Insignien dieser Legitimation waren die Folianten oder Totenschädel auf den Tischen der Mediziner früherer Zeiten oder sind heute die technischen Geräte einer Arztpraxis. Hier überlagern sich subjektive und nach außen kommunizierte Gewißheit, Zugang zu gültigen Erkenntnissen zu haben, mit dem unmittelbar handlungspraktischen Nutzen überlieferten Wissens. Wissenschaft - als der Inbegriff des zur Zeit verfügbaren Wissens und Theoretisierens - bietet also für professionelle Praxis sowohl einen sichernden gedanklichen Rahmen (gewissermaßen eine ideologische Funktion) als auch konkrete Erfahrungssammlungen, aus denen Such- und Handlungsstrategien abgeleitet werden. Erfolgreiche Behandler der Vergangenheit bezogen sich auf wissenschaftliche Modelle, deren Wert aus heutiger Sicht minimal ist - so der berühmte Mesmer auf die Theorie des Magnetismus( s. Bongartz & Bongartz, 1992, S. 50 f.).

Wahrscheinlich wären die sensationellen Heilungserfolge Mesmers (in Wien und später in Paris) ohne seinen wissenschaftlichen Hintergrund als Mediziner und seine mittlerweile obsolete Theorie des Magnetismus kaum denkbar gewesen. Gleichwohl waren sein implizites, intuitives Wissen sowie bekannte Basisvariablen wie das Wecken positiver Erwartungen und die Entstehung von Rapport (Orlinsky, Grawe, Parks, 1994) für die Erfolge entscheidender als seine heute nicht mehr anerkannten Theorien über den Magnetismus. Neben der jeweiligen Wissenschaft einer Epoche verfügt ein professionell Tätiger also über ein praktisch-implizites Handlungswissen, das er im Modell-Lernen von seinen Lehrern und in eigener Praxis erworben hat. Im historischen Rückblick beeindruckt, wieviel Handlungswissen Ärzte früherer Generationen im Kontrast zu ihren heute inadäquat wirkenden wissenschaftlichen Bezugssystemen hatten.

In vergleichbarer Weise wurden wichtige Entwicklungen psychotherapeutischer Praxis im Rahmen heute kaum noch anerkannter wissenschaftlicher Prämissen hervorgebracht, werden heute anders interpretiert, sind aber nach wie vor potente Interventionsformen (z.B. Systematische Desensibilisierung).

Psychotherapie als Theorie, als Inbegriff des psychotherapeutischen Wissens und dessen Systematisierung ist wissenschaftlich. Als Praxis ist sie eine darüber hinausgehende, kreative Interaktion mit den Gegebenheiten eines komplexen Aufgabenfeldes, deren Gestaltung keine unmittelbare Anwendung von Wissenschaft ist, sondern eben mehr.

Was ist überhaupt wissenschaftlich?

Nun mag man einwenden, daß die Wissenschaft zur Zeit Mesmers noch nicht den strengen Anforderungen eines heutigen Wissenschaftsideals genügte, und daß eine moderne, entmystifizierte Wissenschaft eine exaktere Praxisanleitung bieten könnte.

Mit dem Fortschritt der Industrialisierung und des naturwissenschaftlichen Denkens wurde im 19. Jahrhundert der Positivismus entwickelt als eine Philosophie, die ihre Interpretation der Vorgehensweise der Naturwissenschaften - Physik, Astronomie, Chemie und Biologie - als Modell für rationales Denken in allen Wissenschaften und der Gesellschaft darstellte. Empirische Forschung ist im Sinne des Positivismus einzige Quelle von Wissen. Das Denken der Menschen sollte von Vorurteilen, metaphysischen Vorstellungen und Aberglauben befreit werden. Politik und Gesellschaft sollten nach der Rationalität gesteuert werden, die man bei den Naturwissenschaften vorzufinden glaubte. Die Praxis des Arztes oder des Ingenieurs galt dem Positivismus als Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse sollten innerhalb der Zweck-Mittel-Relationen der Praxis die wissenschaftlich begründeten Vorgehensweisen bestimmen.

Im Erkenntnismodell des Positivismus ist die Trennung von Wahrnehmen und Tun enthalten - Wahrnehmen wird als passives Rezipieren verstanden und nicht als aktive Konstruktion eines inneren Bildes aus den zur Verfügung stehenden oder aktiv aufgesuchten Umwelteinwirkungen mithilfe der zur Verfügung stehenden inneren Muster. Nach dem positivistischen Modell können nur Forscher im kontrollierten Experiment relevantes Wissen erwerben. Im Rahmen eines Praxismodells technischer Rationalität - wie es Donald Schön (1983) bezeichnet - bestand eine klare Unterordnung der Praxis unter die Grundlagenwissenschaft. Die Rolle der Praktiker beschränkt sich nach diesem Modell auf das passive Einscannen diagnostischer Merkmale bzw. der Anforderungssituation und die Bestimmung der dann vorgegebenen Interventionsformen.

Meines Erachtens folgt der Wissenschaftsbegriff Baumanns und auch der der Arbeit von Grawe, Donati und Bernauer ganz diesem positivistischen Verständnis von Wissenschaft und Praxis. An dieser Stelle verzichte ich auf eine ausführliche Kritik des grundsätzlichen Wissenschaftsbegriffs des Positivismus und beschränke mich auf die Feststellung, daß es seit Entstehen des Positivismus andere Wissenschaftsverständnisse gegeben hat und daß diese gerade vor dem Hintergrund moderner Physik und Wahrnehmungspsychologie zeitgemäßer erscheinen. (s. Schnädelbach, 1971; Capra, 1988 ; Mayring, 1996; Schneider, 1996 ; Heydwolff, 1995)

 

Forschung und Praxis

Das professionelle Praxis eine Anwendung von Wissenschaft sei, ist ein altes Denkmuster des Positivismus. Donald Schön, der am Massachusetts Institute for Technology arbeitet, hat dieses Muster in seinem Essay ãThe reflective practicionerã einer eingehenden Kritik unterzogen. Er benennt dieses positivistische Praxisverständnis als ein Modell ãtechnischer Rationalitätã. Nach einem Modell ãtechnischer Rationalitätã ist Praxis stets darauf angewiesen, daß Wissenschaft die praktisch anstehenden Fragen durch Forschung untersucht, beantwortet und Handlungsanweisungen vermittelt. Die Praxis bestünde nach diesem Modell in der möglichst genauen Umsetzung dieser Anweisungen. Schön weist an Beispielen aus Architektur und Psychotherapie nach, daß sich Probleme in der Praxis oft auf ganz andere Weise stellen als im kontrollierten Experiment, und daß Praktiker vollkommen andere, interaktive und kreative Vorgehensweisen zu entwickeln haben, die Schön metaphorisch als einen Dialog mit den konkreten Gegebenheiten eines Praxisfelds benennt. Die Fähigkeit zu diesem Dialog erlernt man nicht aus Büchern, und jede Psychotherapeutin und jeder Psychotherapeut entwickelt eine ganz eigene Form dieser Fähigkeit - weil sie/er diese Fähigkeit zum Dialog basierend auf persönlichen Talenten und Erfahrungen als ganz individuelle Ausdrucksform ihrer Persönlichkeit hervorbringt.

Praktiker arbeiten anhand von impliziten, mehr oder weniger aus der Alltagserfahrung entwickelten und in Supervision überprüften und angepassten Lösungsmodellen.

Donald Schön hebt in seiner eindrucksvollen Analyse der Erkenntnisprozesse des Praktikers - anhand von Beispielen aus Management, Architektur und Psychotherapie - hervor, wie ein implizites, oft verbal nicht faßbares Handlungswissen im konkreten Austausch mit den Anforderungssituationen der Praxis eingesetzt und weiterentwickelt wird. Systemische Therapien unterscheiden denotativ.i.ãdenotativã;e und konnotativ.i.ãkonnotativã;e Bedeutungen von Begriffen und Handlungen, deren digitale und analoge Bedeutung: Letztere sei in der Beziehungswertigkeit von Handlungen und Begriffen beschrieben. Eva Jaeggi (1995) referiert über die unterschiedlichen Symbol.i.ãSymbolã;isierungen in modernen Therapiesystemen und unterscheidet die Symbolisierungen des diskursiven Denkens, die verbalisierbaren, begrifflichen Symbolisierungen, von den präsentativen Symbolisierungen, den Bildern, Metapher.i.ãMetapherã;n, Tonfolgen, die in verdichteter Form die Gesamtheit unserer Lebenserfahrungen ansprechen - komplexer und inhaltsreicher, nicht rational gefiltert. In einer Vereinfachung von Befunden der Gehirnforschung sprechen manche Autoren von rechts- und linkshemisphärischem Denken als Metapher für die unterschiedlichen Repräsentations- und Verarbeitungssystem.i.ãsystemã;e . (Vgl. hierzu auch Mundt, 1997, S. 28)

Was ein Praktiker tut, unterscheidet sich meist auch von dem, was er über dieses Tun explizit formulieren kann. Praxislernen ist daher mehr als das Erlernen von Theorien oder wissenschaftlichen Vorgehensweisen - etwas, was in den Professionen auf diesem Erlernen wissenschaftlicher Methodik und Inhalte aufbaut.

Im folgenden einige stichwortartige Gegenüberstellungen zwischen den Wirklichkeitszugängen von Grundlagenforschung und psychotherapeutischer Praxis:

Erfahrungswelten von Grundlagenforschung und psychotherapeutischer Praxis

(TABELLE 1)

Psychologische Grundlagenforschung

Psychotherapeutische Praxis

Konstruierte Anforderungssituationen

unterschiedliche komplexe Anforderungssituationen

Orientierung an überindividuellen Regelhäftigkeiten

Orientierung an individueller Situation

Globales explizites Zusammenhangswissen

komplexes, spezifisches, teils nicht expliziertes Handlungswissen und flexibles Regelsystem

Ausschluß des Forschereinflusses auf das experimentelle Geschehen angestrebt

therapeutische Beziehung wesentliches Erfahrungsfeld

Forschungsziele und Handlungsmuster der wissenschaftlichen Welt

konkrete Handlungsziele mit Gegenüber vereinbart (Auftrag, Vertrag)

objektivierende Erfassung von Daten

pragmatische, zweckgebundene Sammlung von Informationen

kontrolliertes, möglichst konstanten Einflüssen unterliegendes System

selbst-korrigierendes System in Abstimmung mit der fortlaufenden Entwicklung

lang überdauerndes Verstehensmuster (Paradigma), das nur in größeren Zeitabständen revolutioniert wird; Verstehensmuster ist zumeist definiert

Verstehensmuster unterliegen rascher Veränderung und Kontrastierung; Verstehensmuster sind Thema des Dialogs

Entscheidungsprozesse unterliegen einer Optimierung von Sicherheit und Genauigkeit bei weiter gestecktem Zeitrahmen

Unter Zeitdruck und Ergebnisdruck ablaufende Abstimmungsprozesse, bei denen Unschärfen zugelassen sind

Kontrolle und Reduktion von Wirkfaktoren

optimale Nutzung aller vorhandenen objektiven und subjektiven Ressourcen

objektivierte Wahrscheinlichkeiten

subjektive Evidenz

umfangreiche Maßnahmen zur Gewährleistung der wissenschaftlich anerkannten Wirklichkeits-konstruktion

pragmatischer Einsatz vorhandener Mittel unter Anerkennung von Begrenzungen

 

Psychotherapeutische Praxis ist das gemeinsame Praktizieren - im Sinne von Einüben und Durchführen - von Probehandlungen in einer virtuellen Welt und deren anschließende Reflexion - mit dem Ziel einer Erweiterung von Handlung- und Erlebensoptionen der Patienten. Vergleichbar den Skizzen eines Architekten entfalten die in Geschichten, Rollenspielen oder anderen Medien entwickelten Situationen einen Erfahrungsraum, der Handeln, Fühlen und Denken der Klienten in neue Kontexte stellt. Die Gestaltung dieses Erfahrungsraums und seine Evaluation geschehen im Dialog. Diesen Dialog zu gestalten, erfordert ein implizites, im Tun selbst zu entwickelndes und verbal nur begrenzt vermittelbares Wissen, ein know how wie das Wissen eines Autofahrers darüber, ãwie man Auto fährtã.

Praktisches Handeln findet in einem systemischen Kontext statt, der sich durch Komplexität, Instabilität und Ungewißheit auszeichnet. Das Forschungsexperiment soll Abstraktion von verschiedenartigen ãStörã-Einflüssen bewirken. Konkrete Praxis hingegen erfordert die Suche von Struktur in der Komplexität von Wechselwirkungen und nutzt dazu die Eigenschaften eines selbstkorrigierenden Systems.

Die idealtypischen Anforderungssituationen der Psychotherapie-Forschung, die isolierten Krankheitszustände, für die es manualisierte Therapieformen gibt, findet sich in dieser Isolation in der Praxis ohnehin ganz selten, worauf ja auch in der Literatur zur Psychotherapie-Forschung oft genug hingewiesen wird.

Dennoch an einem Modell technischer Rationalität - im Sinne einer 1:1 Anwendung von Rezeptbüchern der psychologischen Wissenschaft in psychologischer Praxis festzuhalten, zeugt schon von einer gewissen Gläubigkeit an das Programm einer künftigen allgemeinen Psychotherapie. Die Nachteile eines solchen Programms - im Sinne einer Verfestigung, Erstarrung professionellen Handelns- werden wahrscheinlich von den Verfechtern solcher Visionen unterschätzt.

Baumann unterstützt eine solche "Anwendungs"-Definition von Praxis in den oben zitierten Äußerungen von den "wissenschaftlich überprüften Methoden", von den "technologischen Regeln", die im Einklang mit "Gesetzen" der Wissenschaft stehen (Baumann 1996). Grawe, Donati und Bernauer (1994) erfinden gar die Allgemeine Psychotherapie als Sammlung bewährter und wissenschaftlich erforschter Vorgehensweisen für definierte Problem- und Aufgabenbereiche.

Andererseits haben Caspar und Grawe (1992) längst konzediert, daß psychotherapeutische Praxis keine Anwendung von Wissenschaft sei. Das von Caspar und Grawe vorgestellte Modell der Psychotherapie als heuristischer, integrierender Prozeß ist in einigen Teilen ganz ähnlich den Formulierungen Schöns zur Praxis als kreativ-reflexivem Dialog. Offensichtlich vertritt Grawe neben einem empiristischen Wissenschaftsverständnis mit entsprechenden Unterordnungsansprüchen an Praxis noch ein systemisch-heuristisches Praxismodell, mit dem er weitestgehend die Relevanz präfabrizierter psychotherapeutischer Methoden relativiert (s. auch Grawe 1988). Das von Rogers einmal so benannte Spannungsfeld zwischen logisch-empirischer Forschung und empathisch-phänomenologischer Arbeit (Rogers 1959/1971, S. 76) scheint sich hier erneut aufzutun, wird aber von den Autoren nur wenig öffentlich reflektiert, ja in der aktuellen Diskussion zugunsten eines Primats von Forschung und etablierter Wissenschaft zugemacht. Die Übertragung standardisierter Datenerfassungs-Methoden der quantitativen Psychotherapieforschung als alltägliche Rituale in die Qualitätssicherung von Psychotherapiepraxen ist dafür ein Beispiel (Grawe und Braun, 1994).

 

Was nach Grawe, Donati und Bernauer ( ãPsychotherapie im Wandelã , 1994) als wissenschaftlich untersucht gelten darf, muß möglichst viele kontrollierte Vergleichsstudien, die den positivistischen Kritereien des methodologischen Behaviorismus genügen, auf sich gezogen haben. Andere Formen der wissenschaftlichen Begründung einer psychotherapeutischen Methode (s. Rice und. Greenberg 1984; Leuzinger-Bohleber 1995; Lorenzer 1972/1974) werden damit aus dem Bereich der Wissenschaft hinwegdefiniert. Die revolutionierende Bedeutung der Psychoanalyse und anderer psychotherapeutischer Richtungen für das moderne Verständnis von "Objektivität", "Wissen" und "Erfahrung" wird dabei gänzlich übersehen.

 

Die akademische Psychologie als Mutter der Psychotherapie?

Grawe wie Baumann lieben es, die Psychologie als wahre Quelle und Mutter der Psychotherapien darzustellen. Jedoch: Ohne Zweifel entstanden die Psychotherapien zunächst gegen den Widerstand der etablierten Wissenschaften. (S. dazu auch Hoffmann, 1997, S. 22; Hargens, 1997, S. 31) Hätte sich Freud dem Verdikt Virchows - schon viele Leichen geöffnet und keine Seele gefunden - und damit dem platten Materialismus seiner Zeit unterworfen, so hätte er nicht das Fundament für die moderne Psychotherapie legen können. Hätte Milton Erickson seinem akademischen Lehrer Clark F. Hull dessen Theorie der Hypnose ãgeglaubtã, wären seine Impulse auf die moderne Psychotherapie und moderne Hypnotherapie vielleicht ausgeblieben. Wären die kognitiven Verhaltenstherapeuten der 50er und 60er Jahre nicht den Lerntheorien des klassichen und operanten Konditionierens abtrünnig geworden, hätten sie ihre Interventionsformen und Theorien nicht entwickeln können. Die Psychotherapien haben damit durch ihre Erschließung neuer Erfahrungsfenster das Denken unserer Zeit revolutioniert. Thomas Kuhn beschrieb den Fortschritt der Wissenschaften als Folge von Revolutionen, in denen radikale Neuorientierungen jeweils mit einem Paradigmenwechsel, mit einer Aufgabe hergebrachter Perspektiven und Denkschemata einherging. Es scheint, daß gerade die Entwicklung und der Fortschritt der Psychotherapien stets auch eine Umwälzung der korrespondierenden Wissenschaften gefördert hat.

In "Psychotherapie im Wandel", dem Buch von Grawe, Donati und Bernauer, auf das sich Baumann mehrfach bezieht, wird diese Tatsache wie folgt entschärft: Die Psychotherapien der ersten Generation schufen ein Praxisfeld, das nun hinreichend beforscht ist, um aus dem vorwissenschaftlichen Bereich in den wissenschaftlichen Bereich zu gelangen. Nun könne die an sich normale Anlehnung und Unterordnung der psychotherapeutischen Praxis unter ihre Leitwissenschaft erfolgen. Damit kommt gewissermaßen die Dialektik zwischen Wissenschaft und Praxis zum Stillstand (Grawe, Donati & Bernauer, 1994, S. 757; Grawe 1995 c , S. 130 f.; s. dazu Kaiser 1995).

Damit wird übersehen, daß Praxis stets auch das weniger formalisierte, manchmal subversive Gegenstück des akademischen Bereichs ist, aus dessen Existenz wesentliche Impulse auf die offizielle Wissenschaft zurückgehen müssen. Eine Dialektik zwischen Forschung und Praxis erlaubt kein (dauerndes) Primat der einen Seite über die andere. Der amerikanische Psychotherapieforscher Donald J. Kiesler formulierte radikaler: "Psychotherapeutische Praxis wird immer vornan sein, während Theorie und Forschung folgen." (Kiesler 1994, S. 143, Übers. v. Autor)

Der Mythos ãAllgemeine Psychotherapieã und die Beiträge der Psychotherapieschulen

Die noch immer unübertroffene Metaanalyse von Smith, Glass und Miller (1980) , wie auch eine Reihe neuerer Metaanalysen (z.B. im Handbook of Psychotherapy and Behavior Change), bestätigen, daß es keine verbindliche Hierarchie wirksamer und unwirksamer Therapieformen gibt. Hinweise auf die wirksamen Ingredienzien von Psychotherapie betreffen die Zielorientiertheit der Psychotherapie, die Klärung der Rollenerwartungen von Klienten und Therapeuten, die Einbeziehung von praktischen Aufgaben und Übungen und ähnliche.

Danach hätten die modernen Psychotherapien wie Gestalttherapie, Transaktionsanalyse, NLP, systemische Therapie, Hypnotherapie und andere völlig gleichberechtigt neben den in Deutschland sozialrechtlich anerkannten Verfahren zu stehen. Grawe, Donati und Bernauer gehen aber einen anderen Weg: Sie bereiten in "Psychotherapie im Wandel - Von der Konfession zur Profession" den Therapieformen eine allgemeine Bartholomäusnacht, die zur "Leichenschau" der Psychotherapieschulen führen soll. (Grawe, Donati und Bernauer, S. 731) Mit einer kleinen Hitliste wird der Kreis der Mitgestalter der zukünftigen Allgemeinen Psychotherapie sensu Grawe und Baumann überschaubar gehalten.

Sowohl Grawe, Donati und Bernauer als auch Baumann sehen in den Traditionen der psychotherapeutischen Schulen hauptsächlich Hemmschuhe der Fortentwicklung der Psychotherapie im Sinne einer Allgemeinen Psychotherapie, die ihre Heimat und ihren Ursprung neu bestimmt sieht in der Klinischen Psychologie und der psychologischen Forschung, und damit das Gesicht einer aufgeklärten, kognitiv und gestalttherapeutisch angereicherten Verhaltenstherapie tragen würde. Darin liegt eine erhebliche Unterschätzung der Traditionen und der Ausbildungskultur der Therapieschulen und eine Überschätzung der Beiträge seitens der akademischen Psychologie. Der Perspektivenreichtum und Erfahrungsschatz der Psychotherapieschulen ist einstweilen durch die kreative Freiheit der Praktiker, diese Schulen selbständig zu integrieren, eher zu sichern und aufzubewahren als durch den Impetus einer Allgemeinen Wissenschaftlichen Psychotherapie.

 

Popularisierung der allgemeinen Psychotherapie

Die ãAllgemeine Psychotherapieã Grawes ist in Fachkreisen ist in Fachkreisen schon so popularisiert, daß jetzt ganz viele Arten von Integrationsansätzen unter dieser Fahne segeln.

So hat sich dem Vernehmen nach eine ganze Reihe von Fortbildungunternehmungen bereits mit Zusatz ã... für Allgemeine Psychotherapieã versehen. Diese Verallgemeinerung der ãAllgemeinen Psychotherapieã läßt hoffen, daß über die Inflation des Begriffs ein Schub für die Integration der Psychotherapien entsteht - und befürchten, daß die Implikationen von Grawes Formulierung unbemerkt und unbefragt mittransportiert werden, nämlich:

- der Primat der akademischen Psychologie über psychotherapeutische Praxis,

- ein Praxisverständnis im Sinne technischer Rationalität

- und ein Uniformierungsdruck auf die psychotherapeutische Praxis.

Nichtpsychologen als Psychotherapeuten

Wenn Psychologie die eigentliche Heimat der Psychotherapie ist und das psychologische Wissen unerläßlich für gute Psychotherapie, wie kommt es dann, daß es so gute Psychotherapeuten mit Ausbildung als Theologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Soziologen gibt?

Baumann konzediert, daß es ja durchaus einzelne "Nichtpsychologenã geben könne, die gute Psychotherapie machen - allein, die beste Gewähr für gute Qualität sei nun mal das Psychologiestudium.

Damit zäumt er das Pferd allerdings von hinten auf. Denn der beschriebene Zustand ist ja nicht Ausnahme, sondern fast die Regel. Seit Jahrzehnten kooperieren unterschiedliche Berufsgruppen in Ausbildungseinrichtungen, die gute Psychotherapeuten ausbilden, und in deren Curricula psychologische Theorien nicht die zentrale Rolle haben. Es ist also keine Ausnahme, daß Nichtpsychologen gleichwertige Psychotherapie machen, sondern die Regel - ob man es wahrhaben möchte oder nicht. Noch so gut gemeinte Berufspolitik, die auf Fehleinschätzungen beruht und andere zu Unrecht abqualifiziert, ist unethisch und führt auf die Dauer zu Nachteilen. Die von mir behauptete Gleichwertigkeit ist keine bloße Idee oder persönliche Wahrnehmung, sondern geht aus einer wichtigen Arbeit hervor, die Martin Seligman referiert hat.

Seligman über die Welten von Forschung und Praxis

Eine neuere Studie von Consumers Report - Martin Seligman war Berater bei ihrer Planung und Auswertung und berichtet ausführlich davon im American Psychologist - spricht gegen eine Reihe von Überzeugungen, die Grawe, Donati und Bernauer wie auch Baumann formulierten: Die beliebte ãUnwirksamkeits-Annahmeã, wie sie von Grawe, Donati und Bernauer für die wissenschaftlich noch nicht beforschten Therapiemethoden benutzt wird, hält der kritischen Untersuchung Seligmans und den Daten der von ihm berichteten Studie nicht stand. Weiterhin berichtet Seligman eine fast identische Wirksamkeit der Behandlung durch psychotherapeutisch ausgebildete Sozialarbeiter, Ärzte und Psychologen, und eine deutlich geringere Wirksamkeit der Behandlung durch nicht psychotherapeutisch geschulte Hausärzte. Die in den USA von den ãmanaged care-ã Organisationen bevorzugte Kurzzeittherapie zeigte in dieser Studie schlechtere Ergebnisse als Behandlungen, die wenigstens 2 Jahre dauerten.

Seligman diskutiert auch die Differenzen zwischen dieser praxisnahen Studie (als "effectiveness"-Studie) und den kontrollierten Studien der Psychotherapieforschung ("efficacy"-Studien) und fokussiert dabei auf die Praxisaspekte, die Kontrollgruppenstudien einfach nicht erfassen können (s. dazu auch Rief, 1994, Schneider, 1996). Die Kontrollgruppenstudie sollte nach Seligmans überzeugenden Ausführungen als Goldstandard von Wissenschaftlichkeit eigentlich ausgedient haben und durch praxisnähere Untersuchungsformen ergänzt werden (vgl. dazu Hargens, 1997, S. 30).

Von Grawe, Donati und Bernauer wie auch von Baumann werden unter dem Banner der Wissenschaftlichkeit wesentliche sachbezogene Informationen ausgeblendet. Nur sehr vordergründig ist diese Sichtweise vorteilhaft für die Interessen der Psychologen in den Auseinandersetzungen um ihre Rolle im Gesundheitswesen.

Antithesen zu Baumanns Formulierungen zu Wissenschaft und Praxis

Die eingangs formulierten Fragen sind aus meiner Sicht folgendermaßen zu beantworten:

- Psychotherapeutische Praxis nimmt Bezug auf Wissen(schaft), indem sie relevante Denkformen und Ergebnisse von Wissenschaften, wie Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Biologie, Physiologie u.a., im kommunikativen Prozeß der Psychotherapie als Folien zum Verständnis benutzen kann - ohne sich eine dieser Wissenschaften unterzuordnen. Psychotherapeutische Praxis nutzt das Nachdenken und Forschen dieser Wissenschaften über den psychotherapeutischen Prozeß zur eigenen Fortentwicklung. Kontrollierte Vergleichsstudien sind nur eine mögliche Perspektive auf psychotherapeutisches Geschehen, und sie bedürfen der Ergänzung durch Feldstudien (Seligman 1995; Rief 1994; Thomas & Schmitz, 1993), Prozeßforschung und qualitative Forschung (Rice, Greenberg 1984; Greenberg 1994; Toukmanian 1992; Wilson u. Barkham, 1994; vgl. auch Mundt, 1997, S. 28 ff). Für die Fortentwicklung der Psychotherapie ist eine Vielzahl von Evaluationsansätzen erforderlich (Schneider, H., 1995). Eine spezielle Untersuchungsform, wie die kontrollierte Gruppenstudie, darf nicht zum Goldstandard der Psychotherapien hochstilisiert werden (Seligman 1995).

-Psychotherapie besteht aus einer dialogischen Entfaltung von neuen Lebensperspektiven und einer Wiederaneignung inneren Lebens im Kontakt zwischen Menschen. Sie braucht die Einmaligkeit der Begegnung und die individuelle Passung der kommunikativen Prozesse. Wissenschaftlich erforschte Methoden oder Realitätsabbildungen bieten Übungsmaterial, Hilfkonstruktionen und Aufmerksamkeitsanreize für diesen Dialog, sollten aber nicht als Standardisierungen oder Normierungen verstanden werden.

 

- Der empiristisch-positivistische Wissenschaftsbegriff und die quantitativ-vergleichende Therapieforschung bedürfen der Ergänzung sowie Kontrastierung durch ein systemisches Verständnis und qualitative Forschungspraxis. Im Bereich der Qualitätssicherung sind die TQM-Modelle schon praxisnäher als die tradtionellen Methoden der quantitativen Therapieforschung. Für solche Weiterungen des Wissenschaftsbegriffs ist das Gros deruniversitären Psychologie in Deutschland zur Zeit nicht gerade der beste Garant. Es wäre absurd, wenn die deutschen Psychotherapeuten sich dem methodischen Behaviorismus unterwerfen, während dieser in den USA immer mehr in Frage gestellt wird . Es istbedauerlich, wenn Grawe in der Formulierung der Allgemeinen Psychotherapie sein heuristisches Praxisverständnis einem methodenzentrierten Forschungsverständnis unterordnet (vgl. Grawe/Caspar 1992; Grawe, Donati & Bernauer, 1994, S. 8).

- Die psychotherapeutischen Richtungen haben in der Mehrzahl einen Anteil an der Entwicklung neuer wissenschaftlicher Denk- und Verstehensformen. Ihre Integration findet täglich statt, und sie sind für Psychotherapieintegration nicht Hemmschuh, sondern Motor. Die Dichotomie zwischen aufgeklärt-objektiver Wissenschaft und sektiererisch-verbiesterten Therapieschulen ist ein Schwarz-Weiß-Modell, das die Perspektiven verengt, wo der Blick geweitet werden sollte.

Für die Gesamtperspektive der Psychotherapien in Deutschland ist zu überlegen, ob die Unterordnung unter politische Meinungskonjunkturen der Sache der Psychotherapien nicht eher schadet als nützt. Die völlig unsachgemäße, ständisch begründete Ausgrenzung der Nichtärzte durch die KBV findet ihre Fortsetzung in der ebenso unbegründeten Ausgrenzung sogenannter "Schwellenverfahren" und schließlich der Ausgrenzung der Berufsgruppen der Sozialarbeiter, Theologen usw., an der sich nun Psychologen beteiligt haben. An Stelle einer einheitlichen Position der nichtärztlichen Psychotherapie entstanden so vielfältige Spaltungslinien, durch die die Position der Psychologen wie auch der Psychotherapie geschwächt wurde. - Hoffmann (1997, S. 25) unterstreicht die Bedeutung einer ganzheitlichen Sicht von Patient und Krankheit - und damit einhergehend einer Kooperation von Ärzten und Psychologen in der Behandlung. Ist es eigentlich möglich, daß zum Psychotherapeutengesetz die Praktiker unterschiedlicher Berufsgruppen eine gemeinsame Lobby bilden, deren Forderungen sich an den inhaltlichen Erfordernissen der Praxis orientiert und nicht an ständischen Privilegien oder akademisch-psychologischen Prätentionen?

 

Zusammenfassung

Psychotherapie als professionelle Tätigkeit wird innerhalb der Matrix des Wissens über den Menschen als kreativer Umgang mit unterschiedlichsten Kontextbildungen und Interaktion mit einem komplexen Beziehungsfeld ausgeübt. Psychotherapie ist eine Wiederaneignung individueller Ressourcen durch die Klienten. Ein technologisches Modell von Psychotherapie geht an dem besonderen Charakter dieser Praxisform vorbei.

Entgegen den Entwürfen Grawes und Baumanns sind die kontrollierten Vergleichsstudien nicht als Kriterien für die Wirksamkeit und Wissenschaftlichkeit von Psychotherapieformen zu akzeptieren. Im Sinne eines erweiterten Wissenschaftsverständnisses wird vorgeschlagen, an Stelle eines Primats der wissenschaftlichen Forschung eine Dialektik zwischen Theoriebildung, Forschung und psychotherapeutischer Praxis anzunehmen.

Die psychotherapeutischen Schulen und die Psychotherapie als Praxis haben wesentliche Aspekte zum Verstehen des Menschen und seiner sozialen Entwicklung beizutragen. Die Schwarz-Weiß-Dichotomie von fortschrittsfeindlichen Psychotherapieschulen und innovativer akademischer Forschung entspricht nicht der Wirklichkeit.

 

Literatur

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Autor

Eberhard Schneider, Jahrgang 1952, Diplom-Psychologe, Ausbildung in Verhaltenstherapie, Transaktionsanalyse und Hypnotherapie. Wichtigster therapeutischer Bezugspunkt sind erlebnisorientierte Verfahren. 

Anschrift: Eberhard Schneider, Dianaweg 7 , 32805 Horn-Bad Meinberg 2;

e-mail:e@schneider-belle.de

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